Goldrausch am Heiligen
Berg
Western Shoshone gegen den
größten Goldkonzern
der Welt
Von Renate Domnick
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- Das Land der Western
Shoshone in Nevada
ist ein Eldorado für Bergbaukonzerne, von denen
einige heute zu den größten der Welt
gehören. Das hat den Kampf um Landrechte
dramatisch verschärft, denn es geht um ein enges
Interessengeflecht mächtiger Konzerne und
einflussreicher Politiker. Letztlich ist es ein Kampf
gegen die Konzerne, die die Entscheidungen von
Politikern, Behörden und Justiz bestimmen.

Crescent Valley, Nord-Nevada (Foto:
Paul Nellen©1992
- 1968 begann mit der Cortez Mine in Crescent Valley
der moderne Goldabbau im Norden Nevadas - heute das
größte Goldabbaugebiet der USA. In Crescent
Valley lebt seit Generationen die Familie der Danns.
Mary
und Carrie Dann erhielten 1993 den Alternativen
Nobelpreis für ihren Kampf um Landrechte.
Dieses Tal im Herzen des Western Shoshone
Vetragsterritoriums ist eines der Gebiete, die Nevadas
Politiker, allen voran Senator Harry Reid
privatisieren wollen und einer der Gründe,
weshalb den Western Shoshone eine finanzielle
Entschädigung aufgezwungen wurde. Dabei stand der
Wert der Resourcen, die ihr Land enthält,
überhaupt nicht zur Diskussion.
- Bei zahlreichen Anhörungen zu neuen Goldminen
haben die Western Shoshone Einsprüche bei
Behörden und Gerichten erhoben und ihre Rechte
geltend gemacht, doch sie konnten höchstens
kleinere Zugeständnisse erreichen, etwa in Bezug
auf Umweltgefahren oder den Schutz ihrer heiligen
Stätten.
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- Solche Stätten sind auch Mt. Tenabo und Horse
Canyon in Crescent Valley. Die Western Shoshone nutzen
sie für zahlreiche kulturelle Aktivitäten
wie Fasten und Visionssuche. Doch hier befindet sich
eine Lagerstätte, deren Goldwert auf 8 Milliarden
Dollar geschätzt wird, deshalb will Barrick Gold
die Cortez Mine bis in dieses Gebiet erweitern.
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- Die Explorationen hierfür wurden genehmigt,
ohne die Auswirkungen adäquat zu prüfen und
ohne die Western Shoshone zu konsultieren, wie es
gesetzlich vorgeschrieben ist. Dagegen haben sie
gemeinsam mit Great Basin Mine Watch eine Klage
eingereicht und im April 2007 fand die erste
Anhörung vor Gericht statt.
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- Am 2. Mai reisten sie nach Kanada, um in Toronto,
dem Hauptsitz von Barrick, bei der
Aktionärsversammlung gegen den Goldabbau im
Gebiet von Mt. Tenabo und Horse Canyon zu
protestieren. Dabei überreichten sie eine
Petition die von über 18 000 Menschen
unterzeichnet war.
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- Die Geschichte der großen Konzerne im Land
der Western Shoshone würde mehr als ein Buch
füllen. Viele, wie die Newmont Mining
Corporation, liegen auf der Rangliste der
größten Goldkonzerne auf den ersten
Plätzen und betreiben Goldminen weltweit.
Entsprechend viel gäbe es über Korruption,
Umweltverbrechen und Menschenrechtsverletzungen zu
berichten.
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- Die Bush-Barrick-Connection
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- Ein Beispiel ist die Barrick Gold Corporation,
heute Betreiber von 27 Goldminen weltweit. 1983
gegründet von Peter Munk, Ex- Bankrotteur und
Inside Trader und Adnan Kashoggie, saudischer
Millionär und Waffenhändler, der als
Hauptfinanzier bei Batrrick ausstieg, als seine
Beteiligung am Iran-Contra-Skandal bekannt wurde. Dank
der guten Beziehungen beider zu Ex-Präsident
George Bush erhielt Barrick eine Konzession in Nevada,
die Erz im Wert von geschätzten 10 Mrd Dollar
enthielt. Es war ein Geschenk, das den rasanten
Aufstieg Barricks garantierte und ein Betrug
gegenüber dem amerikanischen Staat, an den
Barrick nur 10 000 Dollar zahlte.
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- Clintons Innenminister Bruce Babbitt nannte es den
größten Goldraub seit den Tagen Butch
Cassidys - man kann getrost sagen, in der
amerikanischen Geschichte, denn in dieser Mine,
Goldstrike Open Pit, wurden seither über 30
Millionen Unzen Gold produziert. Sie liegt im Carlin
Trend, Nord-Amerikas produktivstem
Goldfördergebiet und zweitgrößter
Lagerstätte der Welt, übertroffen nur von
Witswatersrand in Süd-Afrika. In dieser 40-Meilen
Strecke, die bis Crescent Valley reicht, sollen
über 107,000,000 Unzen an Goldreserven
lagern.
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- Hier war Placer Dome mit 60% an der Cortez-Mine
beteiligt, die dank der Lagerstätten Pipeline und
South Pipeline enorm erweitert wurde - allein die
Pipeline-Mine lieferte 2003 über 1 Mio. Unzen
Gold. Mit dem Erwerb von Placer Dome 2006
übernahm Barrick diesen Minen-Komplex und
rückte damit zum weltweit größten
Goldproduzenten auf.
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- 1992 wurde Bush Sr. Berater bei Barrick, neben
Brian Mulroney, dem Ex-Premier von Kanada, und
Karl-Otto Poehl, Ex-Präsident der deutschen
Bundesbank.
- Spenden für Senator Harry Reid, der auf den
Spendenlisten aller in Nevada aktiven Goldkonzerne
steht, helfen die günstigen Bedingungen für
Barrick aufrecht zu erhalten - etwa in Hinblick auf
Genehmigungsverfahren und Umweltverbrechen. In diesem
Zusammenhang ist interessant, dass es an der
Universität von Nevada ein Harry Reid Zentrum
für Umweltstudien gibt.
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- Munk investierte nicht nur in Politiker. Bedacht
wurde auch die Universität von Toronto, die
wiederum dem Barrick-Berater Bush die
Ehrendoktorwürde verlieh.
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- Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass Barrick
die Gewässer im Westen der USA mit Tonnen von
Zyanid verseucht hat, stiessen neue Projekte schon im
Vorfeld auf heftigen Widerstand. Doch dank Barricks
guter Beziehungen zur Familie Bush lösen sich
solche Probleme quasi wie von selbst: im Jahr 2001
verkündete das Innenministerium unter George W.
Bush, es werde neue Goldminen auch dann genehmigen,
wenn irreversible Schäden (etwa durch den Einsatz
von Zyanid) zu erwarten sind.
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- Die Berater-Prominenz zahlte sich auch in Form
lukrativer Kontakte zu dem inzwischen verstorbenen
Mobuto Sese Seko aus, einem Golfkumpel von Bush Sr.
und später zum 2001 ermordeten Laurent
Kabila - Kleptokraten, die keine Hemmungen hatten,
die Bodenschätze des Kongo gegen Bakschisch zu
verscherbeln.
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- Menschenrechtsverletzungen und Widerstand
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- Im Nachbarland Tansania
hatte zunächst Sutton Resources die
Schürfrechte für Bulyanhulu. Auf diese
Konzession, die auf über 3 Mrd Dollar in Gold
geschätzt wurde, hatte Barrick seit Mitte der
90er Jahre gewartet. 1999 konnte den Aktionären
mitgeteilt werden, dass es dank dem Beraterteam
Mulrony und Bush gelungen war, Sutton aufzukaufen und
damit eines der größten Goldfelder
Ostafrikas für Barrick zu sichern.
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- Dem Goldabbau in großem Stil stand
zunächst entgegen, dass in Bulyanhulu tausende
kleiner Goldsucher mit legalen Ansprüchen
arbeiteten. Das Problem lösten Suttons
Planierraupen, die von der Militärpolizei
unterstützt, das Konzessionsgebiet
befreiten". Einheimische Zeugen berichten, dass
dabei mindestens 50 Menschen lebendig begraben wurden.
Wer es wagte darüber zu berichten, wie z.B.
Greg
Palast, wurde von Barrick verklagt, doch
inzwischen gibt es darüber zahlreiche Berichte im
internet.
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- Am 2. Mai dieses Jahres hatte Oxfam
America einen internationalen Aktionstag gegen Barrick
koordiniert, an dem Proteste gegen die
Aktivitäten des Konzerns auf allen Kontinenten
stattfanden. Auch Corp Watch berichtet
regelmäßig über dessen
Menschenrechtsverletzungen unter: http://s3.amazonaws.com/corpwatch.org/downloads/Barrick_final_sml.pdf
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- Brennpunkte des Widerstands sind
- - Pascua Lama in der Gletscherregion der Anden (s.
Pogrom 243/07)
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- - Lake Cowal in New South Wales, Australien. Die
Angehörigen der Wiradjuri Nation protestieren
seit Jahren gegen den Goldabbau an diesem See, der
ihnen heilig ist. Einige kleine Siege konnten sie vor
Gericht erringen, doch viele ihrer kulturellen
Stätten sind zerstört, ebenso der Lebensraum
seltener Tier- und Pflanzenarten, da der
Grundwasserspiegel um 30 m gesunken ist.
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- - In den Philippinen hat Barrick mit der
Übernahme von Placer Dome auch die Verantwortung
für dessen Menschenrechtsverletzungen
übernommen. 30 Jahre verantwortungsloser
Entsorgung zyanidverseuchter Abfälle haben die
ganze Meeresbucht von Callacan zerstört, den Boac
River verseucht und die Fischerfamilien ihrer
Existenzgrundlagen beraubt.
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- - Auch in Papua Neu Guinea hat Barrick mit dem
75%-Anteil von Placer Dome an der Porgera Mine die
Verantwortung für schwere Vorwürfe zu
übernehmen. Es gibt keine offizielle Statistik,
doch laut Akali Tange Association (ATA) der lokalen
Menschenrechtsorganisation, gab es hier bis Ende 2006
über 2 000 Tote und Verletzte, teils aufgrund
katastrophaler Umwelt- und Arbeitsbedingungen, teils
weil die Sicherheitskräfte auf illegale
Goldsucher" schiessen - es sind die traditionellen
Landbesitzer, die hier Schürfrechte hatten und
nun gegen Barrick klagen.
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- In vielen Dritte-Welt-Ländern hat der Einsatz
von Söldnern zum Schutz westlicher Interessen -
sei es im Bergbau oder bei der Ölförderung -
eine Tradition, die auch mit dem Ende von Diktaturen
nicht aufhört. Barrick unterhält bis heute
ein 400-Mann zählendes "Security Team" bei der
Porgera-Mine. Auch in anderen Teilen Indonesiens ist
die Geschichte des Goldbergbaus - etwa bei den Minen
von Freeport in West Papua - mit tausenden von Toten
verbunden. Opfer sind die Indigenen, die sich gegen
die Zerstörung ihres Landes und ihrer
Lebensgrundlagen wehren.
Quellen: Greg
Palast: "The best democracy money can buy"
http://www.gregpalast.com/
Der Artikel erschien zuerst in der
Januar-2008-Ausgabe der Zeitschrift
COYOTE - Indianische Gegenwart
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